• Montag, 20 Juni 2022
  • geschrieben von  Anna Schneider

Auszubildende arbeiteten gemäß mittelalterlicher Techniken

Einmal so arbeiten wie im Mittelalter - ohne Maschinen, ohne modernes Werkzeug und vor allem ohne Handy. Rund 16 Auszubildende des Zimmererhandwerks wagten das Abenteuer und arbeiteten vier Tage an der Mittelalterbaustelle nahe dem oberschwäbischen Meßkirch in Begleitung ihrer beiden Berufsschullehrer:innen mit. 

Am Montag, dem 30. Mai, trafen sich 2 Zimmererinnen, 14 Zimmerer aus dem zweiten Ausbildungsjahr mit ihren beiden Begleitern auf dem Camping-Platz nahe der Stadt Meßkirch im Süden von Baden-Württemberg. Nachdem die Zelte aufgeschlagen waren, stand ein Großeinkauf an. Glücklicherweise ist man auf dem Bau nicht besonders wählerisch: so waren wir mit Brötchen zum Frühstück, Döner zum Mittag und Gegrilltem zum Abend die ganze Woche über völlig zufrieden. Nachdem die erste Herausforderung – die Truppe sattzukriegen – erfolgreich gemeistert war, ließen wir den Abend gemütlich am Feuer ausklingen. Zimmerer1
Am nächsten Tag ging es dann zur Mittelalterbaustelle, dem Campus Galli. Hier erschaffen seit 2013 Tag für Tag Handwerker:innen und Ehrenamtliche mit den Mitteln des 9. Jahrhunderts ein Kloster auf Grundlage des St. Galler Klosterplans. Zur Begrüßung führte uns Julian, ein Zimmerer in Tunika, über das Gelände. Wir durften unsere eigene Arbeitskleidung tragen, was bedeutete, dass wir alle in Zunftkleidung erschienen. Nachdem mit der Tabula der Arbeitsbeginn eingeläutet wurde, ging es endlich an die Arbeit. 
Es stehen aktZimmerer2uell verschiedene Projekte auf dem Campus Galli an, bei denen wir mitwirken konnten, so unter anderen das Neu
eindecken des Webereidaches. Hierzu errichtete ein Teil von uns erstmal ein Gerüst aus Stämmen, Brettern und Seilen um die Weberei. Nun konnten die verwitterten Holzschindeln und die alte Dachlattung abgenommen werden. Währenddessen schälte ein anderer Teil der Gruppe Bäume. Die Rundstämme wurden anschließend als Dachlattung auf den Sparren befestigt. Damit der Borkenkäfer keinen Gefallen an der Konstruktion findet, muss die Rinde entfernt werden. 
Vier Zimmerer stellten beim Herstellen von Zapfenverbindungen ihr Können unter Beweis. Diese zimmermannsmäßige Verbindung wurde zur Fertigung von Böcken und eines Scheunentores eingesetzt. Eine weitere Teilgruppe behaute mit Äxten aus einem auf dem Gelände gefällten Baum einen Sparren. Eine kräftezehrende Arbeit.
Am letzten Tag als die Hände vor lauter Blasen schmerzten und sich unsere Kraftreserven langsam dem Ende neigten, tummelten wir uns bei der Weberei, um Holznägel zu schnitzen und sie auf die Schindeln anzupassen. Eine Tätigkeit, die im Sitzen verrichtet werden konnte. Neben den vielen Schweißperlen haben wir auch einige Tränen vor lauter Lachen vergossen und so bleibt als Fazit zu sagen: Wir möchten die Tradition unseres verstorbenen Kollegen Axel Berges weiterleben lassen und auch mit den zukünftigen Zimmerer:innen an der Erstellung des Klosters mitwirken. Ein Hoch auf die Handwerkskunst!

Letzte Änderung am Montag, 20 Juni 2022 15:59
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